Empfehlungen verstehen
B2B-Empfehlungsmarketing: Wenn ein guter Geschäftskontakt mehr wert ist als Reichweite
Partner-Ökosysteme, die Given/Received-Logik und die Branchen, in denen Empfehlungsketten natürlich entstehen.

Aktualisiert: TIPPO Redaktion5 Min. Lesezeit
Inhalt
Warum B2B anders tickt
Im Geschäft zwischen Unternehmen sind die Einsätze höher als im Konsumbereich. Ein falsch gewählter IT-Dienstleister kostet Monate, ein schlechter Treuhänder kann teuer werden, eine Agentur, die das Rebranding verpatzt, beschädigt die Marke. Deshalb suchen Entscheider vor allem eines: Sicherheit.
Sicherheit entsteht nicht durch Werbebanner, sondern durch Menschen, die sagen: «Mit denen haben wir gute Erfahrungen gemacht.» Drei Eigenschaften machen B2B zum natürlichen Terrain für Empfehlungen:
- Lange Zyklen: Zwischen erstem Kontakt und Unterschrift vergehen oft Wochen oder Monate. Eine Empfehlung verkürzt diesen Weg, weil sie Vertrauen vorwegnimmt.
- Mehrere Beteiligte: Geschäftsführung, Fachabteilung, Finanzen. Eine Empfehlung von einer anerkannten Person überzeugt oft mehrere davon gleichzeitig.
- Reputation als Währung: In vielen Schweizer Branchen kennt man sich. Wer empfiehlt, setzt seinen Ruf ein – und empfiehlt deshalb gut.
Wer im B2B empfiehlt
Anders als im Konsumbereich sind die Empfehlenden im B2B selten Freunde oder Familie. Es sind Menschen und Firmen mit beruflichem Blick auf den Bedarf:
| Quelle | Warum sie empfiehlt | Typische Situation |
|---|---|---|
| Bestehende Kunden | Zufriedenheit, Wunsch, anderen zu helfen, Prämie als Anerkennung | Unternehmerstammtisch, Branchenverband |
| Partnerfirmen mit ergänzenden Leistungen | Sieht den Bedarf zuerst, profitiert von Gegenempfehlungen | Dachdecker sieht Solarpotenzial |
| Berater, Treuhänder, Anwälte | Werden ohnehin um Rat gefragt | Kunde fragt: «Kennen Sie eine gute IT-Firma?» |
| Ehemalige Mitarbeitende | Kennen die Qualität von innen | Neue Stelle, neuer Bedarf |
| Lieferanten | Kennen viele Kunden derselben Branche | Hersteller empfiehlt Installationsbetrieb |
Tabelle seitlich scrollbar
Partner-Ökosysteme: Given und Received
Der grösste Hebel im B2B liegt in Empfehlungen zwischen Firmen, deren Leistungen sich ergänzen. Ein Solarinstallateur, ein Dachdecker, ein Elektriker und ein Wärmepumpen-Anbieter arbeiten oft am selben Gebäude, aber nacheinander. Jeder sieht Bedarf, den der andere decken könnte.
Solche Beziehungen funktionieren nur dauerhaft, wenn sie in beide Richtungen laufen. Deshalb lohnt es sich, zwei Grössen getrennt zu betrachten:
- Given – gegebene Empfehlungen: Wen habe ich empfohlen, was ist daraus geworden, welche Prämien habe ich dafür erhalten?
- Received – erhaltene Empfehlungen: Wer hat mich empfohlen, welche Aufträge sind entstanden, welche Prämien habe ich bezahlt?
Ein Unternehmen, das nur erhält, aber nie gibt, wird über kurz oder lang weniger empfohlen. Eines, das beides tut, baut ein Netzwerk, das sich selbst trägt. Wer Given und Received sichtbar macht, erkennt ausserdem, welche Partnerschaften wirklich Wert schaffen und welche nur auf dem Papier bestehen.

Branchen mit natürlichen Empfehlungsketten
In manchen Branchen liegen Empfehlungsketten auf der Hand, weil Leistungen zeitlich oder fachlich aufeinander folgen:
- Agenturen und Kreativdienstleister: Strategieberatung → Branding → Webdesign → Fotografie → Text → Online-Marketing.
- Treuhand und Beratung: Gründungsberatung → Treuhand → Versicherungsbroker → IT → Personalberatung.
- Bau und Gebäudetechnik: Architektur → Dach → Solar → Elektro → Wärmepumpe → Gartenbau.
- Immobilien: Makler → Notariat → Umzug → Renovation → Reinigung → Hausverwaltung.
- IT und Digitalisierung: IT-Infrastruktur → Software-Integration → Sicherheitsaudit → Schulung.
Wer in einer dieser Ketten steht, kennt seine natürlichen Partner meist schon. Was fehlt, ist eine Form, in der Empfehlungen ausgesprochen, festgehalten und bei Erfolg fair vergütet werden.
Was B2B-Empfehlungen scheitern lässt
- Einseitigkeit: Ein Partner gibt, der andere nimmt. Ohne Gegenleistung – ob Empfehlung oder Prämie – erlahmt die Beziehung.
- Unklare Attribution: Bei langen Zyklen weiss nach vier Monaten niemand mehr, wer den Kontakt hergestellt hat. Der Ursprung muss beim ersten Schritt festgehalten werden.
- Kontaktdaten ohne Zustimmung: Im B2B sind Beziehungen wertvoll. Wer einen Kontakt ungefragt weitergibt, riskiert die Beziehung zum Kontakt und zum Partner.
- Versteckte Vergütung: Wenn der empfohlene Kunde nicht weiss, dass sein Berater eine Prämie erhält, wird aus der Empfehlung ein Interessenkonflikt. Transparenz ist Pflicht, siehe Empfehlungsprämien in der Schweiz.
Beispiel: IT-Dienstleister und Treuhandbüro
So startet ein Unternehmen mit B2B-Empfehlungen
- 1Kette skizzieren: Welche Leistungen kommen vor und nach Ihrer? Wer sieht den Bedarf Ihrer Kunden zuerst?
- 2Drei bis fünf Partner auswählen: Lieber wenige, mit denen die Qualität stimmt, als eine lange Liste.
- 3Angebot formulieren: Erfolgsereignis, Mindestwert und Prämie in einem Satz. Anleitung im Artikel Ein Empfehlungsprogramm aufbauen.
- 4Gegenrichtung anbieten: Fragen Sie den Partner, wofür Sie ihn empfehlen können.
- 5Ursprung und Status festhalten: Jede Empfehlung bekommt einen eindeutigen Link oder Eintrag.
- 6Quartalsweise auswerten: Given und Received nebeneinanderlegen und offen mit den Partnern besprechen.
Häufige Fragen
- Was unterscheidet B2B-Empfehlungsmarketing von klassischem Partnervertrieb?
- Partnervertrieb ist vertraglich geregelt, laufend und meist mit Provisionen auf den Umsatz verbunden. B2B-Empfehlungsmarketing ist gelegentlich, freiwillig und vergütet einzelne, verifizierte Abschlüsse. Es braucht keinen Partnervertrag, wohl aber klare Regeln.
- Sollten Partnerfirmen wirklich Prämien erhalten oder reicht Gegenseitigkeit?
- Beides funktioniert. Gegenseitigkeit ohne Prämie ist oft schwer zu balancieren, weil eine Seite mehr Bedarf sieht als die andere. Eine transparente Prämie macht den Ausgleich messbar und nimmt den Druck aus der Beziehung.
- Wie gehe ich mit Partnern um, die konkurrierende Anbieter ebenfalls empfehlen?
- Das ist normal und legitim. Ein Partner empfiehlt, wen er für passend hält. Ihre Aufgabe ist, durch Qualität, schnelle Rückmeldung und faire Vergütung die erste Wahl zu bleiben.
- Eignet sich B2B-Empfehlungsmarketing auch für Einzelunternehmen?
- Ja, oft sogar besonders gut. Einzelunternehmen leben von persönlichen Beziehungen und haben meist ein klares Profil. Wichtig ist, das Angebot so zu formulieren, dass Partner es in einem Satz weitergeben können.
Passender nächster Schritt
Given und Received sichtbar machen
TIPPO funktioniert in beide Richtungen: Ihr Unternehmen wird empfohlen und kann selbst empfehlen. Beides bleibt nachvollziehbar und wird nur bei verifiziertem Erfolg vergütet.
TIPPO für UnternehmenVerfasst von der TIPPO Redaktion. Beispiele und Beträge sind hypothetisch und als solche gekennzeichnet. Keine Steuer- oder Rechtsberatung.


