Empfehlungen, Prämien & Vertrauen

Empfehlungsprämien in der Schweiz: Was Unternehmen beachten sollten

Modelle, Transparenzregeln, Rollenfragen und Dokumentation – damit eine Prämie motiviert, ohne Vertrauen zu kosten.

Beratungsgespräch am Tisch mit Tablet und Blick auf See und Berge
Prämien wirken nur, wenn alle Beteiligten die Regeln kennen.

Aktualisiert: TIPPO Redaktion5 Min. Lesezeit

Inhalt

Was eine Empfehlungsprämie ist – und was nicht

Eine Empfehlungsprämie ist ein offen ausgeschriebener Betrag, den ein Unternehmen an eine Person oder Firma zahlt, wenn deren Empfehlung zu einem vorher definierten Erfolg geführt hat. Drei Merkmale unterscheiden sie von verwandten Formen:

Abgrenzung der Empfehlungsprämie
FormWer weiss davon?Wofür wird bezahlt?Typische Beziehung
EmpfehlungsprämieAlle Beteiligten, inklusive empfohlener KontaktDefinierter GeschäftserfolgPersönlich, gelegentlich
KickbackNur Zahler und EmpfängerEinfluss auf eine EntscheidungVerdeckt, oft in Beschaffungsrollen
VertriebsprovisionArbeitgeber und VertriebspersonVerkaufsleistung im Anstellungs- oder AgenturverhältnisVertraglich, laufend
Affiliate-VergütungPlattform und PublisherKlicks, Leads oder Online-KäufeAnonym, reichweitenbasiert

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Der wichtigste Unterschied ist die Transparenz. Sobald der empfohlene Kontakt nicht weiss, dass die empfehlende Person eine Prämie erhält, kippt eine Empfehlung in Richtung Kickback – unabhängig von der Höhe.

Drei Modelle für die Prämie

Unternehmen können die Prämie fix, gestaffelt oder prozentual gestalten. Jedes Modell hat Stärken und Schwächen.

Prämienmodelle im Vergleich
ModellVorteileNachteilePasst zu
Fixbetrag (z. B. CHF 500 pro Abschluss)Einfach zu kommunizieren, planbar, keine Diskussion über AuftragswerteBildet sehr grosse oder sehr kleine Aufträge nicht abStandardisierten Leistungen, klaren Mindestwerten
Gestaffelt (z. B. CHF 300 ab 5'000, CHF 800 ab 20'000)Belohnt grössere Aufträge, bleibt verständlichBraucht klare Grenzen und Auftragswert-AngabeProjektgeschäft mit breiter Spanne
Prozentual (z. B. 4 % des Netto-Auftragswerts)Skaliert automatisch mit dem WertErfordert Offenlegung des Auftragswerts, schwer zu bewerbenHochpreisigen Einzelaufträgen mit Vertrauensbasis

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In der Praxis bewährt sich für die meisten KMU ein Fixbetrag mit Mindestauftragswert, weil er sich in einem Satz erklären lässt: «CHF 500 für jedes empfohlene Projekt ab CHF 5'000.» Wie die Höhe hergeleitet wird, erklärt der Artikel Wie hoch sollte eine Empfehlungsprämie sein?.

Transparenz als Grundregel

Transparenz ist nicht nur ethisch sauber, sondern schützt auch das Unternehmen. Vier Punkte sollten öffentlich sein:

  • Die Höhe der Prämie oder das Modell, nach dem sie berechnet wird.
  • Das Erfolgskriterium, inklusive Mindestwert und Ausschlüssen.
  • Wer die Prämie erhält: die Privatperson oder die Firma, in deren Namen empfohlen wurde.
  • Dass der empfohlene Kontakt über die Prämie informiert ist oder sie jederzeit einsehen kann.

Ein einfacher Test: Würde es das Unternehmen stören, wenn der empfohlene Kontakt die Prämienregel liest? Wenn ja, stimmt etwas nicht.

Hand hält ein Smartphone über einem aufgeräumten Arbeitsplatz
Dokumentation gehört zur Prämie dazu – auch bei kleinen Beträgen.

Private oder geschäftliche Rolle

Dieselbe Person kann in zwei Rollen empfehlen: privat, aus dem eigenen Netzwerk heraus – oder im Namen ihrer Firma, etwa als Partnerbetrieb. Die Unterscheidung ist wichtig, weil sie bestimmt, wer die Prämie erhält und wer sie versteuern muss.

  • Private Rolle: Die Prämie geht an die Person. Sie sollte nicht an Personen gehen, die beim empfohlenen Kontakt selbst über die Beschaffung entscheiden oder sie massgeblich beeinflussen – dort wäre die Prämie ein persönlicher Vorteil aus einer dienstlichen Entscheidung.
  • Geschäftliche Rolle: Die Prämie geht an die Firma der empfehlenden Person und wird dort als Ertrag verbucht. Das ist der saubere Weg für Partnerbetriebe und für alle, die in ihrer beruflichen Funktion empfehlen.

Unternehmen tun gut daran, diese Frage bei jeder Empfehlung zu stellen und die Antwort festzuhalten. Auf TIPPO ist sie deshalb fester Bestandteil jeder Empfehlung.

Das Erfolgskriterium sauber definieren

Jede Diskussion über eine Prämie beginnt mit einem unklaren Erfolgskriterium. Ein gutes Kriterium beantwortet drei Fragen:

  1. 1Welches Ereignis zählt? Unterschrift, Projektstart, erste bezahlte Rechnung – nicht «Interesse» oder «Termin».
  2. 2Ab welchem Wert? Ein Mindestauftragswert schützt die Marge und verhindert Prämien für Kleinstaufträge.
  3. 3Innerhalb welcher Frist? Eine Gültigkeitsdauer, zum Beispiel zwölf Monate ab Zustimmung des Kontakts, verhindert endlose Ansprüche.

Dokumentation: Was Sie festhalten sollten

Prämien sind Zahlungen und gehören sauber dokumentiert. Pro Empfehlung sollten mindestens diese Angaben vorliegen:

  • Datum der Empfehlung und Datum der Zustimmung des Kontakts
  • Empfehlende Person oder Firma und ihre Rolle (privat oder geschäftlich)
  • Empfohlener Kontakt und das Angebot, auf das sich die Empfehlung bezieht
  • Erfolgsereignis mit Datum und, falls relevant, Auftragswert
  • Wer den Erfolg bestätigt hat
  • Datum und Betrag der Auszahlung

Diese Dokumentation ist die Grundlage für Ihre Buchhaltung, für Rückfragen der Empfehlenden und für den Fall, dass eine Empfehlung später bestritten wird.

Beispiel: Eine Prämienregel in einem Satz

Häufige Fragen

Darf ein Unternehmen in der Schweiz Empfehlungsprämien zahlen?
Grundsätzlich ja, Prämien für erfolgreiche Empfehlungen sind verbreitet. Grenzen ergeben sich bei verdeckten Zahlungen an Personen mit Entscheidungsfunktion, im öffentlichen Beschaffungswesen und in regulierten Branchen. Klären Sie Ihren konkreten Fall mit einer Fachperson.
Muss die empfehlende Person die Prämie versteuern?
Ob und wie eine Prämie zu versteuern ist, hängt von der Rolle (privat oder geschäftlich), der Höhe und dem Einzelfall ab. Wir geben dazu keine verbindliche Auskunft; fragen Sie eine Steuerfachperson.
Soll die Prämie öffentlich sichtbar sein oder nur den Empfehlenden mitgeteilt werden?
Öffentlich. Eine offen kommunizierte Prämie nimmt der Empfehlung jeden Beigeschmack und zeigt dem empfohlenen Kontakt, dass alles auf dem Tisch liegt.
Was, wenn zwei Personen denselben Kontakt empfehlen?
Legen Sie vorher eine Regel fest, zum Beispiel: Die Prämie geht an die Empfehlung, der der Kontakt zuerst zugestimmt hat. Kommunizieren Sie die Regel im Angebot.

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